08.11.2015

Ich bin momentan fassungslos




Ich bin momentan fassungslos wenn ich sehe wie Fremdenhass, Intoleranz und Vorurteile offensichtlich eine immer breitere Akzeptanz in der Mitte unserer Gesellschaft finden. Es macht mir Angst wenn ich sehe, dass rechte Demonstrationen wöchentlich mehr Zulauf finden und die Menschen die an diesen Demonstrationen teilnehmen immer weiter in eine Spirale aus Angst, Hass und Gewalt geraten.


Auch wenn ich es als Kind oder Jugendlicher nicht wirklich bewußt wahrgenommen habe, haben meine Eltern mir wichtige Werte und Moralvorstellungen vermittelt. Dazu gehört eine ordentliche Portion Toleranz gegenüber anderen Menschen und Wertesystemen, ein freier Geist, das dringende Bedürfnis hat immer wieder über den Tellerrand hinaus zu schauen, die Fähigkeit mich in andere Menschen hineinzuversetzen und mein Interesse für politische Zusammenhänge.


Aufgewachsen bin ich in Büttgen, einem kleinen, beschaulichen Dorf in der Nähe von Neuss. Schon in den 80iger Jahren, als die erste große Flüchtlingswelle über uns hereinbrach, wurden in unserem Dorf Container aufgebaut, in denen die damaligen Flüchtlinge unterkamen. Auch damals gab es -so erinnere ich mich- durchaus Sorgen und Ängste. Letztlich blieb davon nicht viel übrig. Die Flüchtlinge waren froh und dankbar mit ihrem Leben davongekommen zu sein. Die Anwohner arrangierten sich. Irgendwann gingen viele der geflüchteten Menschen wieder in ihre Heimat zurück, um dort Aufbauarbeit zu leisten. Einige blieben bei uns und nutzten die Chance auf einen neuen Start bei uns in Deutschland.


Was derzeit in Dresden und in großen Teilen Sachsens geschieht macht mich traurig und wütend. Soviel dumpfe Ignoranz ist für mich schwer ertragbar. Was muss im Leben eines Menschen schief laufen, wenn er den aufpeitschenden, manipulativen, stimmungsmachenden Brandstiftern Woche für Woche hinterherläuft? Gerade hier in Deutschland sollte doch eine besondere Sensibilität gegenüber stark nationalistischen Tendenzen bestehen!

Ich lebe inzwischen mitten im Ruhrgebiet. Einem Schmelztiegel verschiedener Kulturen und Nationalitäten. Hier fühle ich mich sehr wohl. Genau gegenüber meiner Wohnung steht eine evangelische Kirche, in der nun auch bis zu 50 Flüchtlinge untergebracht werden. 


Die Bedingungen sind für die Flüchtlinge nicht ideal. Die Stadt Oberhausen und die Kirchengemeinde möchten aber den Menschen im Winter ein festes Dach über dem Kopf ermöglichen. 


Ich finde, es kann kaum eine schönere Geste geben, als wenn unsere Kirchen ihre Tore für Flüchtlinge öffnen. Auch wenn ich bereits vor vielen Jahren aus der Kirche ausgetreten bin, fühle ich mich in meinem Werteveständnis dieser Entscheidung der Kirche verbunden. 


Auch hier in unserer direkten Nachbarschaft gibt es offen formulierte Ängste. Von der Sorge, dass die Versicherungsbeiträge steigen, bis zur Frage warum kein 24/7 Sicherheitsdienst installiert wird, weil die Kinder möglicherweise nicht mehr sicher sind. Eingeleitet werden diese Sorgen inzwischen meist mit der Aussage: "Ich habe ja wirklich nichts gegen die Flüchtlinge. Aber..... -muss das hier im Wohngebiet sein? / -müssen es denn unbedingt Moslems sein?



Ich suche das Gespräch mit diesen Nachbarn und stelle die Gegenfrage: "Was konkret ist Deine Angst?" Meist dauert es dann ein wenig bis das Gegenüber eine Antwort findet. Diese klingt dann oft so: "Das sind ja auch junge Männer die zu uns kommen. Die haben auch ihre Bedürfnisse". Oder: "Man hört ja immer wieder, dass die sich untereinander prügeln. Da sind wir dann ja auch nicht mehr sicher". Danach verweise ich darauf, dass die Gewalt bisher eigentlich ausschließlich von der aufgewiegelten Bevölkerung ausgeht, die Flüchtlingsheime abbrennt und Flüchtlinge angreift. Ein viel genanntes Argument ist auch immer, dass "wir Christen" von "den ganzen Moslems" überrannt werden. Ich möchte ja niemandem zu nahe treten. Aber wann haben diese besorgten Christen denn zuletzt eine Kirche von innen gesehen?



Ich gebe offen zu: So ganz habe ich noch immer nicht verstanden, woher die Ängste kommen. Und: Je mehr man sie hinterfragt, umso unklarer wird mir wovor diese Menschen sich sorgen.



Besinnen wir uns zurück auf unsere wirklichen Werte. Auf die Menschlichkeit. Versetzen wir uns doch einfach mal in die Lage eines Menschen der in Not ist. Gehen wir doch erst einmal davon aus, dass diese Menschen nicht kriminell sind, sondern dankbar. Gehen wir doch einfach mal davon aus, dass diese Menschen uns bereichern. Unsere Kultur beleben. Unserem Land etwas zurückgeben.



Betrachten wir realistisch, dass wir dringend Zuwanderung benötigen, um unsere Wirtschaftskraft zu erhalten. Gehen wir offen auf Flüchtlinge zu. Besuchen wir Veranstaltungen, auf denen Flüchtlinge und Anwohner zusammentreffen. 

Seid offen und ohne Vorurteile. Haltet mit Argumenten dagegen, wenn dumpfe Fremdenfeindlichkeit in Eurer direkten Umgebung aufkeimt. Gebt diesen Gedanken in Eurem direkten Umfeld keinen Raum. Niemals!

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01.11.2015

Warum die AppleWatch letztlich doch gut finde

Lange habe ich mich gewehrt. Eine AppleWatch? Viel zu teuer. Abzocke. Und dann noch nichtmal genug Strom, um den ganzen Tag die Uhrzeit anzuzeigen. Und am Nachmittag werde ich dann gar nix mehr machen können, weil der Akku leer ist.

Passend zu diesen Gedanken kam gerade die neue Pebble Time Steel heraus. e-Ink-Display, 7 Tage Akku-Laufzeit. Kann alle Messages anzeigen, die ich auf meinem iPhone auch als Push-Messages aktiviert habe. Und schließlich dient sie ohnehin nur als Second-Screen. Und sie ist mit 265 Euro deutlich günstiger als die AppleWatch.

In der vergangenen Woche habe ich meine Pebble verkauft und bin nun ziemlich genau seit einer Woche mit einer Apple Watch unterwegs. Mehr als Messages anzeigen kann die Pebble halt wirklich nicht. Leider. Das Design fand ich okay. Sie war recht unauffällig, aber nicht elegant. Aber irgendwie flashte sie mich nicht.


Nach einer Woche mit der AppleWatch möchte ich ein kurzes Resümee ziehen. In dieser Woche war ich auf Geschäftsreise, habe mich mit ihr durch fremde Städte lotsen lassen, habe sie dreimal kurz zum telefonieren genutzt und mich an Termine erinnern lassen. Um iMessages zu beantworten habe ich Siri auf die Probe gestellt. Beim Kochen habe ich den Kurzzeit-Timer über Siri genutzt und mich unterwegs mit der Uhr wecken lassen. Am Wochenende habe ich die Workout-App bei einer längeren Radtour genutzt. Mit der Swarm-App habe ich mich hier und da mal in Locations eingebucht. Ich würde also alles in allem von einer recht intensiven Nutzung sprechen.

Das Wichtigste zuerst: Auch an Tagen intensiver Nutzung zeigte mein Akku als ich ins Bett ging immer noch mindestens 35% Leistung an. Zum Lesen längerer Texte oder eMails nutze ich allerdings auch das iPhone. Dafür ist mir die Uhr zu klein. Meine größte Sorge war somit schonmal aus dem Weg geräumt.

Etwas albern fand ich in der Werbung die Aussage, man solle die Uhr doch als Fußgänger zum Navigieren nutzen. Tja nun. Ich habe es probiert als ich in Basel unterwegs war und mich am Ende des Tages wieder zu meinem Auto navigieren zu lassen. Über das iPhone

habe ich mir in der Karten-App eine Wegmarke gesetzt. Auf dem Rückweg habe ich auf dem iPhone die Navigation gestartet und das Smartphone in die Tasche gesteckt. Auf der Watch wurde nun automatisch die Navigation fortgesetzt. An Abbiegungen vibrierte die Uhr und ein kurzer Blick zeigte mir, wohin ich musste. Sehr schön. Es hat perfekt funktioniert.

Zwischendurch vibrierte mein iPhone und ich bekam den ein oder anderen Anruf. Auf der Watch konnte ich sofort sehen wer anruft und habe einige Male das Smartphone genutzt. Dreimal habe ich das Gespräch aber auch direkt über die Uhr geführt. Ich dachte zunächst, das wirkt für Außenstehende etwas merkwürdig. Aber seit es Selfie-Sticks gibt, ist die Toleranz-Schwelle möglicherweise auch gestiegen. Zudem ist der Lautsprecher der Uhr auch nicht unangenehm laut. Für lange Gespräche in lauter Umgebung nutzt man wohl eher direkt das Smartphone. Die Gesprächsqualität ist jedenfalls gut. Ich habe es zu Hause nochmals ausführlich getestet.

Meine Termine wurden mir immer rechtzeitig auf die Uhr gespielt. Inklusive einer Zeitberechnung für den Weg. Angezeigt wurde dann sinngemäß: "Dein Termin findet um 10 Uhr statt. Die Verkehrslage ich normal. Du solltest spätestens um 9.40 Uhr losfahren, um pünktlich zu kommen." Donnerwetter. :) Vermutlich wird auch noch angezeigt, dass man den Regenschirm nicht vergessen soll, wenn es regnet. ;)

Sobald man die Uhr anhebt und in Blickrichtung kippt, schaltet sich das Display an. Ich hatte die Befürchtung, dass ich merkwürdige Verrenkungen machen muss, um das Display zu aktivieren. Das ist aber nicht so. Auch durch Tippen auf die Uhr kann man die AppleWatch aktivieren. Dann bleibt sie - je nach Einstellung - bis zu 70 Sekunden aktiviert. Sobald das Display an ist, kann man Siri mit "Hey Siri" aktivieren. Beim Kochen war das ganz praktisch: "Hey Siri - Timer 25 Minuten" und schon lief der Kurzzeittimer.

Die Timer-Funktion 

Diese Funktion habe ich schon beim iPhone regelmäßig genutzt. Nun ist es noch etwas einfacher geworden.

Wenn man die Uhr beim Laden auf die Seite legt, wird automatisch eine Wecker-Funktion aktiviert. Die Uhr leuchtet dann wie ein Radiowecker und wird durch leichtes Antippen aktiviert. Sehr sehr stylisch aus. Wird der Wecker auf dem iPhone gestellt, wird die Weckzeit automatisch auf die Uhr gespiegelt. Man kann aber auch beides unabhängig voneinander betreiben.

Der Wecker

Apple hat der Watch eine eigene Workout-App spendiert. Alle erfassten Daten werden nach dem Workout an die AppleHealth App übertragen. Während des Workouts wird immer wieder automatisch der Puls gemessen. Zum Abschluss sieht man dann eine schöne Zusammenfassung der sportlichen Aktivitäten.

Die Pulsmessung erfolgt im Hintergrund

Zusammenfassung nach dem Workout



Zusammenfassung in der Health-App
Zusammenfassung in der Health-App


In der Watch-App werden die sowohl die einzelnen Tages-Bewegungs-Ziele als auch das einzelne Workout dargestellt:




Bisher bin ich schwer begeistert. Vermutlich auch, weil meine Erwartungen eher überschaubar waren. ;)