17.03.2015

Schwimmen lernen - Mein Umgang mit der Überwachung

Wie geht Ihr mit dem Wissen um, permanent überwacht zu werden? Habt Ihr Euer Verhalten geändert? Ärgert Ihr Euch? Oder seid ihr entspannt?
Ich für meinen Teil habe verschiedene "Phasen" durchlebt. Die anfängliche Überraschung über den Umfang der Überwachung, die spätere Erkenntnis dass jeder Einzelne von uns unmittelbar betroffen ist, die Überlegung welche Ausweichmöglichkeiten ich habe, und letztlich das Treffen von Entscheidungen, in welchen Bereichen ich mein Verhalten ändern möchte und in welchen Bereichen nicht.



Die Erkenntnis, dass es keine Privatsphäre mehr in meinem Leben gibt und nie mehr geben wird und das Wissen, dass mein gesamtes Handeln für alle Zeit nachvollziehbar ist, haben bei mir ein extrem ungutes Gefühl ausgelöst. 

Wenn es den begründeten Verdacht der Planung einer schweren Straftat gibt, ist eine gezielte Überwachung einer einzelnen Person meines Erachtens vertretbar und sogar notwendig. Dies hat es ja in dieser Form auch grundsätzlich immer schon gegeben. Aber eben gezielt und nur auf Basis eines richterlichen Beschlusses.
Alles was über diesen Schritt hinausgeht, vor allem das Sammeln von Daten auf Vorrat, ist für mich nicht akzeptabel. Es stellt mich unter einen Generalverdacht. Alleine die Vorstellung ist für mich unerträglich. 

Eins sollte uns klar sein: Wenn diese Metadaten von vielen Menschen vorliegen, wird auch unser künftiges Handeln damit vorhersehbar. Wollen wir das wirklich?

Wohin ich mich bewege, welche Internetseiten ich aufrufe, mit wem ich telefoniere, welche Daten sich auf meiner Festplatte befinden, in welchem Parkhaus ich parke, welche möglicherweise sensiblen Schlagworte sich in meinen eMails befinden.......geht niemanden etwas an. Es ist schlicht und einfach meine Privatsache. Ich möchte mir keine Gedanken darüber machen müssen, ob ich bestimmte Schlagworte nicht in eine Suchmaschine eingeben darf, weil sonst die Systeme irgendwelcher Geheimdienste anschlagen. 

Für mich war recht schnell klar, dass ich weder mein Surfverhalten ändern, noch meine Emails besonders sensibel formulieren werde. 

In einigen wenigen Bereichen habe ich mein Verhalten allerdings geändert:
  • Zum Suchen im Internet nutze ich nur noch selten Google. Hier bevorzuge ich Startpage. Auf dieser Seite wird meine IP-Adresse nicht gespeichert und es werden keine Cookies angelegt. Der eigentliche Search-Engine ist übrigens auch hier Google.
  • Whatsapp habe ich von meinem Smartphone verbannt. Ich nutze ausschließlich Threema oder iMessage.
  • Wirklich vertrauliche Dinge bespreche ich nicht mehr am Telefon. Weder mobil noch über das Festnetz.
  • Ich gehe grundsätzlich sparsam mit meinen persönlichen Daten um. Im Internet und auch in meinem echten Leben.
  • Cloud-Dienste nutze ich. Allerdings lade ich hier keine sensiblen Daten hoch. Diese liegen ausschließlich auf meiner verschlüsselten Festplatte. Fotos mit Menschen lege ich nur in Ausnahmen in die Cloud.
  • Nachrichten die ich bei Twitter poste oder in meinem Blog schreibe würde ich -wenn ich wollte- auch offen mit meinem echten Namen veröffentlichen können ohne mich zu schämen. 
  • Die meisten Inhalte veröffentliche ich nicht mit meinem Echt-Namen.
  • Ich verwende oft "neutrale" eMail-Adressen, die keinen Rückschluss auf mich zulassen.
  • Recht häufig nutze in den Tor-Browser. Dieser macht es noch einmal deutlich schwerer, mein Surfverhalten zu verfolgen und Metadaten zu sammeln.

Mit diesen Kompromissen kann ich recht gut leben. So entziehe ich mich zwar nicht vollständig einer Überwachung (das ist realistisch gesehen nicht möglich). Aber ich nutze zumindest in einigen Bereichen Verschlüsselungstechnologien und wähle meine Kommunikationskanäle sehr bewusst. Gerne würde ich auch meine Emails ausschließlich verschlüsselt übertragen. Dies scheitert allerdings daran, dass PGP nicht wirklich verbreitet ist.

Ich kommuniziere immer mit dem Wissen, dass die Inhalte im Zweifel wahrgenommen und gespeichert werden. Aber ich lasse mir nicht den Mund verbieten oder lasse mich einschüchtern. Ich beziehe klar Stellung und vertrete angstfrei meine Meinung.

Dies sollten wir im Übrigen alle tun. Denn würden wir unsere Kommunikation bewusst anpassen und uns nicht mehr trauen frei unsere Meinung zu äußern, dann enden wir irgendwann nur noch als kleine angepasste, langweilige und unzufriedene Generation. 

Ich habe inzwischen keinerlei Erwartungshaltung mehr an unsere Bundesregierung hinsichtlich der Verbesserung des Datenschutzes für uns Bürger. Der Bundesnachrichtendienst und der Verfassungsschutz wurden nach dem Krieg von den Amerikanern und Briten aufgebaut. Die Technologien der Überwachung sind über die Dienste hinweg extrem eng verzahnt. Selbst wenn die Bundesregierung uns vor dieser Überwachung schützen wollte - sie könnte es nicht, da unsere Geheimdienste ohne die Zuarbeit der "befreundeten Dienste" nichts ausreichend arbeitsfähig wären.

Wo der amerikanische Geheimdienst mitten in Deutschland unsere Daten abgreift, seht Ihr hier.