04.03.2015

Die Kaffee-Schleife

Irgendwann in den 80igern

Ich sehe meine Mutter am zweiten Weihnachtstag nachmittags in der Küche stehen. Die Verwandten sind gerade eingetroffen. Und während sich Onkel und Tanten, Cousinen und Kinder schon im Wohnzimmmer an den Esstisch setzen, brüht meine Mutter in der Küche frischen Kaffee auf und schneidet die Kuchen an.

Zur Feier des Tages hat sie die teure Porzellan-Kanne mit dem Goldrand aus dem Schrank geholt. Den Kaffee darf ich mahlen. Wir haben eine weiße, elektrische KRUPS-Kaffeemühle. Die ganze Küche duftet wunderbar nach frisch gemahlenem Kaffee. Die Porzellan-Kanne krönt inzwischen ein weißer Melitta-Porzellan-Filter, in den sie jetzt den Papierfilter gibt. Die geprägten Kanten hat sie vorher zur Seite gefaltet. Jetzt gibt sie exakt fünf gestrichene Maß-Löffel mit Kaffeepulver in den Filter und gießt nun sprudelnd heißes Wasser darüber. Das Pulver schäumt ein wenig auf. Der fertige Kaffee tröpfelt deutlich hörbar in die Kanne. Mit jedem weiteren Tropfen ahnt man, wie sich die Kanne langsam füllt. Erst nachdem der erste Schwall durch ist, gießt sie wieder nach.

Minuten später sitzen wir am gedeckten Tisch: Apfelkuchen, Schwarzwälder-Kirsch, Riemchen-Aprikose. Die Auswahl ist riesig. Dann wird der Kaffee verteilt. Und alle freuen sich und sind begeistert, wie toll der Kaffee schmeckt. Fast wie in der Werbung. :)



Viele Jahre später

Es muss zu Beginn der 2000er Jahre gewesen sein, als ich meine erste Senseo-Maschine kaufte. Mit etwas Abstand betrachtet: Der Vollautomat des kleinen Mannes. :) Wie eine Senseo-Maschine funktioniert weiss inzwischen jeder. Daher erspare ich mir hier genauere Beschreibungen. Der Geschmack von Pad-Kaffee war damals jedenfalls neu und anders. Mit frisch aufgebrühtem Filterkaffee hatte das Ergebnis in der Tasse jedenfalls keine Ähnlichkeit. Größte Neuerung war die Crema. Bis zu diesem Zeitpunkt kannte ich so einen Kaffee nur aus professionellen Maschinen in Cafés oder Restaurants. Anfangs war meine Begeisterung groß. Den Nachschub an Kaffeepads holte ich meistens in Holland. Dort gab es die berühmten Kaffee-Säcke mit 100 einzeln verpackten Pads.

Wenn ich ehrlich bin: Geschmeckt hat mir der Kaffee aus der Senseo nie. Ich trinke schwarz. Immer. Daher habe ich nicht das Glück, mir den Kaffee mit Milch oder Zucker schön zu mischen. Kaffee aus Pads habe ich immer als bitter und stumpf empfunden. Die fruchtigen Noten, die auf der Verpackung angepriesen wurden, wollten sich in meinem Mund nicht entfalten. Irgendwann landete die Senseo im Keller und wurde durch eine Nespresso-Maschine ersetzt.

Das Gerät war von Krups und sollte meine erste Kapsel-Maschine werden. Der Nachhaltigkeits-Gedanke war bei mir zugegebenermaßen noch nicht wirklich stark ausgeprägt. Aber irgendwie war es schon ein merkwürdiges Gefühl zu sehen, wieviel Müll man produziert um einen Kaffee zu trinken. Aber: Der Kaffee schmeckte wirklich sehr gut. Kein Vergleich zum Senseo-Kaffee. Nach einiger Zeit konzentrierte ich mich auf zwei Stärken für normalen Kaffee, eine aromatisierte Kapsel (Vanille) und eine starke Espresso-Sorte. Bis heute ist die Nespresso-Maschine bei uns im Einsatz. Inzwischen hat mein Freund sie übernommen.

Vor zwei Jahren habe ich mir eine weitere Kapsel-Maschine zugelegt. Nach vielen Tests fand ich, dass die Cafissimo-Kapseln von Tchibo der Nespresso recht nahe kommen. Die Kapseln sind deutlich günstiger, produzieren aber leider  ähnlich viel Müll wie das Nespresso-System. Und so ist die Zubereitung jeder Tasse irgendwie mit einem schlechten Gewissen verbunden.

Zu dieser Zeit entdeckte ich auf einem Trödelmarkt eine weiße, fast ungebrauchte Porzellan-Kaffeekanne, samt Wärmehaube. Daneben stand ein weißer Melitta-Porzellan-Filter und ein kleines Melitta-Kännchen (so wie man es aus Cafés kennt). Ihr könnt Euch denken, was ich gemacht habe? Genau! ;)

Meine ersten Versuche waren etwas holprig. Welchen Mahlgrad sollte der Kaffee haben? Sollte ich die Bohnen selber mahlen, oder gleich Pulver kaufen? Welche Kaffeesorte war die Richtige?

Der fertig gemahlene, in goldene Vakkumverpackungen gequetschte Industriekaffee schmeckte wirklich grauenhaft. Dies konnte ich nun wirklich herstellerübergreifend feststellen. Auch verschiedene kleine Hausröstereien habe ich getestet. Nichts hat mich wirklich überzeugt.

Schließlich bin ich überraschenderweise bei einem Tchibo-Kaffee angekommen.
Es gibt hier fünf Sorten, die unter dem Label "Privat-Kaffee" vermarktet werden. Der Kaffee stammt aus nachhaltigem Anbau. Zudem gibt es einen reinen Bio-Kaffee. Ich kaufe meistens die ganzen Bohnen "Guatemale Grande" oder "Latin Bio" und mahle sie dann erst kurz vor dem Aufbrühen mit meiner elektrischen Kaffee-Mühle. Inzwischen habe ich Mahlgrad, Pulvermenge und Wassertemperatur soweit aufeinander abgestimmt, dass ich behaupten: 
Ich kann richtig leckeren Kaffee kochen. ;)

Morgens reicht mir dann in der Regel das "Kännchen". Wenn es wirklich schnell gehen muss, greife ich zu einer der beiden Kapsel-Maschinen. 

Und so bin ich mit meiner Schleife wieder in den 80igern gelandet. 

Einen Nachteil hat die Sache übrigens: Die Frage "Möchtest Du einen Kaffee?" beantworte ich bei Freunden manchmal auch mit "Ein Wasser reicht. Danke." ;)