28.03.2015

Warum ich mich gegen das GorillaPod entschieden habe

Wie oft habe ich mich schon geärgert, dass ich für ein spontanes Dämmerungs-Foto zwar die Kamera, aber kein Stativ dabei hatte. Und so manches mal habe ich mich geärgert, wenn ich meine ine Kamera, aber nicht mein Stativ mitnehmen durfte. 

Zuletzt ging es mir so bei der Ausstellung von Christo im Gasometer Oberhausen. Die Spiegelreflex durfte rein, Stative waren verboten. Natürlich habe ich mich ziemlich geärgert, denn ich konnte nicht ein vernünftiges Foto schießen. 


Inzwischen fahre ich zumindest immer ein normal großes Stativ im Kofferraum spazieren und war oft froh es dabei zu haben, wenn ich mal eben schnell die blaue Stunde auf einer der vielen Halden im Ruhrgebiet nutzen wollte.


Anfang des Jahres habe ich dann begonnen, mich mit Mini-Stativen zu beschäftigen. Die Auswahl ist ziemlich groß. Aber die meisten Stative sind zu schwach und eher für kleinere Kameras geeignet. Meine 70D wiegt mit meinem Standard-Objektiv allerdings schon etwas mehr als 1,5 kg.

Mein Ziel war es ein Stativ zu finden, das klein genug ist, um es mals eben in die Fototasche packen zu können, oder es unkompliziert am Gürtel zu befestigen. Ich wollte unbedingt näher an den Boden, als dies bei ausgewachsenen Stativen der Fall ist. 30 cm Bodenhöhe sind manchmal einfach zu viel. Dennoch sollte es in einem gewissen Rahmen ausziehbar sein.


Kurzum: Nach längerem Sichten und Vergleichen blieben eigentlich nur zwei Stative übrig, die ich in die nähere Auswahl genommen habe: Das M-5 Mini von Rollei und das GorillaPod von Joby. Wobei letzteres natürlich nicht ausziehbar ist.

GorillaPod (Bildquelle: Joby)


GorillaPods besitze ich bereit zwei. Allerdings nutze ich sie eher, wenn ich mit der GoPro oder eine ruhige Szene mit dem Smartphone filmen möchte. Mit der Zeit sind die Kunststoff-Gelenke auch etwas ausgeleiert. Ich habe mir die größere Variante dann nochmal im Fotogeschäft angesehen, war aber irgendwie nicht zu 100% davon überzeugt, dass das Stativ dauerhaft sicher meine Spiegelreflex trägt. 


Das M-5 habe ich schließlich bei Amazon bestellt. Nach mehr als zwei Monaten Lieferzeit, kam dann heute endlich das Paket an. In den kommenden Wochen werde ich ausführlich testen, wie praktisch es im Alltag ist. Doch hier mein erster Eindruck nach dem Auspacken:


Das ganze Stativ wirkt sehr robust und solide. Es besteht aus Aluminium. Alle Bauteile sind passgenau. Kunststoff wurde so gut wie nicht verarbeitet. Der Kugelkopf wirkt sehr massiv. Insgesamt wiegt das Stativ da. 700 g. Es lässt sich bis auf 12 cm herunterfahren. Die Beine kann man natürlich ausziehen. Dann schafft das Stativ eine Höhe von 42 cm. Irgendwie genau das, was ich gesucht habe. Die Mittelsäule lässt sich interessanterweise komplett herausnehmen, wenn man den unteren Verschluss der Säule abschraubt. Der Verschluss enthält wiederum ein eingefrästes Gewinde. Somit könnte man die komplette Mittelsäule auch auf ein größeres Stativ schrauben. 








Nachdem das Stativ mit eingefahrenen Beinen und montierter Kamera einen standfesten Eindruck macht, habe ich es auf die volle Länge ausgefahren. Und dann die Überraschung: Nix wackelt. Alles steht perfekt stabil. Die Kamera wirkt vor allem kippsicher. Das ist ja nicht ganz unwichtig. Scheint zu rocken, das Teil. 



Mit dabei war übrigens eine kleine Stativtasche, die man am Gürtel befestigen kann. Das werde ich mal testen und ergänzende Informationen hinterlassen, wenn ich alles es eine Weile im Einsatz habe.



Das M-5 wird vom chinesischen Hersteller FotoPro produziert. In Deutschland hat bis vor kurzem Bilora dieses Stativ unter dem Namen Twister Pro Mini zu einem Preis von 130 Euro angeboten. Inzwischen wird es baugleich von Rollei für 85 Euro unter dem Namen M-5 Mini verkauft.


22.03.2015

Die große Welt der kleinen Leute

Ich gebe zu: Mit Modelleisenbahnen konnte ich nie wirklich etwas anfangen. Natürlich fand ich es im ersten Moment auch faszinierend, mir große Anlagen wie das Miniatur-Wunderland in Hamburg anzuschauen. Aber mein Ehrgeiz in vielen Stunden künstlichen Rasen zu verkleben und kleine Plastikmännchen mit Heißkleber in Kleinarbeit an die richtige stelle zu arrangieren, hielt sich sehr in Grenzen.

Vor einem Jahr stolperte ich dann in einem Buchladen über einen Bildband von Slinkachu, einem britischen Streetart-Künstler, Fotografen und Blogger. Slinkachu installiert mit Modelleisenbahn-Figuren Szenen im öffentlichen Stadtraum. Vor allem in London. Blog und Galerie

Von dieser Art der Fotografie war ich schnell gefesselt und fasste den Entschluss, auch mal einige Versuche zu unternehmen, kleinere Szenen zu arrangieren. Also mussten erstmal Figuren her. Die schönsten H0-Figuren werden von Preiser und Faller hergestellt. Kein ganz preiswertes Vergnügen, wie ich feststellen musste. Ein 5er-Set mit schönen Figuren liegt schnell mal zwischen 10 und 15 Euro. Für besondere Figuren legt man auch schnell mal 5 Euro pro Stück auf den Tisch. 

Für meine Erste Szene habe ich mir dann einen Kanuten gekauft. Er sollte die die Hauptfigur meines ersten arrangierten Fotos sein:

Endspurt in der Milchstraße
Danach kam mir die Idee, einige Handwerker auf einem Knäckebrot zu platzieren. Von dieser Szene gibt es eine ganze Serie. Dieses hier ist mein Lieblingsfoto:


Die Idee dahinter ist immer die Gleiche: Die kleinen Figuren in Kontext zu setzen mit kleinen Alltagsgegenständen, die plötzlich riesig wirken.

Nach einiger Zeit habe ich im Internet eine Reihe von Skateboardern gefunden.
In der Küche lagen gerade ein paar Mandarinen und Bananen herum. Entstanden sind daraus die Mandarin-Skater und der Banana-Skater.





Vor einigen Monaten habe ich dann noch einige Schwimmer-Figuren gekauft. Sie lagen lange rum, weil ich keine konkrete Idee hatte, wie ich sie platzieren sollte. Dann kam mir beim Einkaufen die Idee und ich griff beim Langnese Capri zu. Somit war dann auch schnell der Name für die Szene gefunden: "Urlaub auf Capri". 

Urlaub auf Capri

Für dieses Jahr habe ich mir vorgenommen, mal in die freie Wildbahn zu gehen, also die Figuren draußen irgendwo in Szene zu setzen. Figuren sind inzwischen genügend vorhanden. 


Einige Ideen habe ich schon. Seid gespannt. ;)




17.03.2015

Schwimmen lernen - Mein Umgang mit der Überwachung

Wie geht Ihr mit dem Wissen um, permanent überwacht zu werden? Habt Ihr Euer Verhalten geändert? Ärgert Ihr Euch? Oder seid ihr entspannt?
Ich für meinen Teil habe verschiedene "Phasen" durchlebt. Die anfängliche Überraschung über den Umfang der Überwachung, die spätere Erkenntnis dass jeder Einzelne von uns unmittelbar betroffen ist, die Überlegung welche Ausweichmöglichkeiten ich habe, und letztlich das Treffen von Entscheidungen, in welchen Bereichen ich mein Verhalten ändern möchte und in welchen Bereichen nicht.



Die Erkenntnis, dass es keine Privatsphäre mehr in meinem Leben gibt und nie mehr geben wird und das Wissen, dass mein gesamtes Handeln für alle Zeit nachvollziehbar ist, haben bei mir ein extrem ungutes Gefühl ausgelöst. 

Wenn es den begründeten Verdacht der Planung einer schweren Straftat gibt, ist eine gezielte Überwachung einer einzelnen Person meines Erachtens vertretbar und sogar notwendig. Dies hat es ja in dieser Form auch grundsätzlich immer schon gegeben. Aber eben gezielt und nur auf Basis eines richterlichen Beschlusses.
Alles was über diesen Schritt hinausgeht, vor allem das Sammeln von Daten auf Vorrat, ist für mich nicht akzeptabel. Es stellt mich unter einen Generalverdacht. Alleine die Vorstellung ist für mich unerträglich. 

Eins sollte uns klar sein: Wenn diese Metadaten von vielen Menschen vorliegen, wird auch unser künftiges Handeln damit vorhersehbar. Wollen wir das wirklich?

Wohin ich mich bewege, welche Internetseiten ich aufrufe, mit wem ich telefoniere, welche Daten sich auf meiner Festplatte befinden, in welchem Parkhaus ich parke, welche möglicherweise sensiblen Schlagworte sich in meinen eMails befinden.......geht niemanden etwas an. Es ist schlicht und einfach meine Privatsache. Ich möchte mir keine Gedanken darüber machen müssen, ob ich bestimmte Schlagworte nicht in eine Suchmaschine eingeben darf, weil sonst die Systeme irgendwelcher Geheimdienste anschlagen. 

Für mich war recht schnell klar, dass ich weder mein Surfverhalten ändern, noch meine Emails besonders sensibel formulieren werde. 

In einigen wenigen Bereichen habe ich mein Verhalten allerdings geändert:
  • Zum Suchen im Internet nutze ich nur noch selten Google. Hier bevorzuge ich Startpage. Auf dieser Seite wird meine IP-Adresse nicht gespeichert und es werden keine Cookies angelegt. Der eigentliche Search-Engine ist übrigens auch hier Google.
  • Whatsapp habe ich von meinem Smartphone verbannt. Ich nutze ausschließlich Threema oder iMessage.
  • Wirklich vertrauliche Dinge bespreche ich nicht mehr am Telefon. Weder mobil noch über das Festnetz.
  • Ich gehe grundsätzlich sparsam mit meinen persönlichen Daten um. Im Internet und auch in meinem echten Leben.
  • Cloud-Dienste nutze ich. Allerdings lade ich hier keine sensiblen Daten hoch. Diese liegen ausschließlich auf meiner verschlüsselten Festplatte. Fotos mit Menschen lege ich nur in Ausnahmen in die Cloud.
  • Nachrichten die ich bei Twitter poste oder in meinem Blog schreibe würde ich -wenn ich wollte- auch offen mit meinem echten Namen veröffentlichen können ohne mich zu schämen. 
  • Die meisten Inhalte veröffentliche ich nicht mit meinem Echt-Namen.
  • Ich verwende oft "neutrale" eMail-Adressen, die keinen Rückschluss auf mich zulassen.
  • Recht häufig nutze in den Tor-Browser. Dieser macht es noch einmal deutlich schwerer, mein Surfverhalten zu verfolgen und Metadaten zu sammeln.

Mit diesen Kompromissen kann ich recht gut leben. So entziehe ich mich zwar nicht vollständig einer Überwachung (das ist realistisch gesehen nicht möglich). Aber ich nutze zumindest in einigen Bereichen Verschlüsselungstechnologien und wähle meine Kommunikationskanäle sehr bewusst. Gerne würde ich auch meine Emails ausschließlich verschlüsselt übertragen. Dies scheitert allerdings daran, dass PGP nicht wirklich verbreitet ist.

Ich kommuniziere immer mit dem Wissen, dass die Inhalte im Zweifel wahrgenommen und gespeichert werden. Aber ich lasse mir nicht den Mund verbieten oder lasse mich einschüchtern. Ich beziehe klar Stellung und vertrete angstfrei meine Meinung.

Dies sollten wir im Übrigen alle tun. Denn würden wir unsere Kommunikation bewusst anpassen und uns nicht mehr trauen frei unsere Meinung zu äußern, dann enden wir irgendwann nur noch als kleine angepasste, langweilige und unzufriedene Generation. 

Ich habe inzwischen keinerlei Erwartungshaltung mehr an unsere Bundesregierung hinsichtlich der Verbesserung des Datenschutzes für uns Bürger. Der Bundesnachrichtendienst und der Verfassungsschutz wurden nach dem Krieg von den Amerikanern und Briten aufgebaut. Die Technologien der Überwachung sind über die Dienste hinweg extrem eng verzahnt. Selbst wenn die Bundesregierung uns vor dieser Überwachung schützen wollte - sie könnte es nicht, da unsere Geheimdienste ohne die Zuarbeit der "befreundeten Dienste" nichts ausreichend arbeitsfähig wären.

Wo der amerikanische Geheimdienst mitten in Deutschland unsere Daten abgreift, seht Ihr hier.





15.03.2015

Field Station Berlin Teufelsberg

Schon bei meinem letzten Berlin-Besuch stand ein Besuch des Teufelsbergs weit oben auf der ToDo-Liste. Irgendwie passte es aber zeitlich nicht.
Das Interesse an LostPlaces ist bei mir nach wie vor ungebrochen. Die Field Station Berlin Teufelsberg war bis in die 90iger Jahre ein geheimer Lauschposten der Amerikaner und Briten auf einem Schuttberg im Grunewald.

Hier waren bis zu 1.500 Mitarbeiter mit der Überwachung des Ostblocks beschäftigt. Analysten trugen Informationen zusammen und erstellten tägliche Berichte für die Direktoren der NSA und des britischen SIS.

Dem Vernehmen nach hätten die Amerikaner den Horchposten gerne alleine betrieben. Das Problem: Er lag im britischen Verwaltungssektor. Somit ging es also nur gemeinsam. Gelauscht wurde schon in den 50iger Jahren. Ab 1963 entstanden feste Gebäude.

Die Radiodome waren schon von weitem sichtbar. Wie riesige Golfbälle hingen sie in der Skyline am Rande von Berlin. Der Berliner Bevölkerung wurde erklärt, hier entstehe eine Telekommunikations-Station. Was ja im weitesten Sinne auch stimmte. :)

Die Amerikaner und Briten zogen 1991 ab. Von 1991 bis 1999 wurde die Station als Flugsicherungs-Radarstation genutzt. Seitdem stehen die Gebäude leer.

Der Berliner Senat verkaufte das Grundstück danach an eine Investorengruppe, die auf dem Gelände ein 5-Sterne-Luxushotel und Luxus-Eigentumswohnungen errichten wollte, dann aber pleite ging. 2005 entzog der Senat dem Investor die Baugenehmigung. Das Gelände ist seitdem wieder als Wald ausgewiesen und darf nicht mehr weiter bebaut werden.

Seit diesem Zeitpunkt geschah dass, was fast immer mit spannenden, leerstehenden Gebäuden geschieht: Die Absperrzäune wurden durchschnitten, Vandalismus hielt Einzug. Ab 2011 wurde das Gelände wieder gesichert und wird nun bewacht. Es gleicht einer Mischung aus Abenteuerspielplatz, Müllkippe und Drehort für Endzeit-Spielfilme. Nach Anmeldung kann es besichtigt werden.

Auf dem Gelände tummeln sich aktuell viele Graffiti-Künstler, die sich tagsüber, nach Voranmeldung, auf dem Gelände verwirklichen können. Es gibt also wirklich viel zu entdecken.


Wie lange der aktuelle Status erhalten bleibt ist fraglich. Die Stadt Berlin denkt über einen Rückkauf und die Errichtung einer Gedenkstätte / eines Museums nach.

Der Besuch


Direkt hinter dem schweren Eingangstor. Links, die ehemalige Kantine

Eine serpentinenartige Straße schlängelt sich am Teufelsberg hoch. Sie endet an zwei großen Parkplätzen. Ausgeschildert ist der Teufelssee. 

Rechts biegen wir nun in eine weitere Straße ein, die scheinbar nur zu einem dritten Parkplatz führt. Zumindest ist sie so ausgeschildert. Nach etwa zwei Kilometern endet unsere Fahrt aber vor einem breiten, verschlossenen Tor. Das soll die ehemals streng bewachte Abhörstation sein? Ein Mann schiebt von innen das massive, bestimmt zehn Meter breite Tor zur Seite und lässt uns mit dem Auto hinein. Hinter uns sehen wir, wie das Tor wieder zugeschoben wird. Wird sind scheinbar gefangen. :)

Während wir auf die Führerin warten, schauen wir uns ein wenig im Bereich der Einfahrt um. Im alten mit Graffitis besprühten Pförtnerhäuschen sehen wir das schon zahlreiche erfolglose Versuche unternommen wurden, das dicke, grüne Panzerglas mit Steinen und Schüssen zu zerstören. 


Panzerglas am Pförtnerhaus der Lauschstation


Rechts und links vom Pförtnerhäuschen gabelt sich der Weg. Rechts zum Besucherparkplatz der Anlage, links hinauf auf den geschützten Bereich. Auf beiden Seiten sind -im Boden versenkte- Durchfahrsperren zu sehen, die wohl vor langer Zeit hydraulisch Betrieben den Weg versperren konnten. 

Unsere Führerin nimmt uns nun in Empfang und wir laufen gemeinsam auf dem linken Weg, vorbei an einem Gebäude das früher als Kantine diente. Das einzige Gebäude mit Glasscheiben, wie sich später herausstellen sollte. Die verglasten Kantinenbereiche liegen auf etwa sechs Meter Höhe. Darunter, in der früheren Warenanlieferung stapeln sich derzeit Bretter, Stühle, Teppiche und Unrat.

Der Weg nimmt eine Linkskurve. Rechts und links tauchen nun unvermittelt zwei hohe, fensterlose Gebäude auf. Links weiter hinten sehen wir einen kleinen Radiodom, der inzwischen lila bemalt, wie ein Leuchtturm sein Dasein fristet. 


Hinter der nächsten Rechtskurve sind wir dann am Ziel: Vor uns liegt das großes Gebäude, das die spektakulären, fussbalähnlichen Radiodome trägt, die wir von verschiedenen Fotos kannten. 

Auf dem Weg zum Hauptgebäude kommen wir an einem kleineren Radiodome vorbei

Dieses Gebäude war eines der beiden Hauptgebäude, in denen die 1.500 Mitarbeiter untergebracht wurden. Die beiden Komplexe waren damals fensterlos und bestanden aus massiven Mauern. Wir betreten das Gebäude über einen Seiteneingang und gelangen in den ursprünglichen Bereich, der vom britischen Geheimdienst genutzt wurde. Inzwischen ist das Gebäude entkernt. Von Büroräumen oder ähnlichem ist nichts mehr zu sehen. Im Haupttreppenhaus wechseln wir nun in die erste Etage. Der Aufzug wurde -wie auch die gesamte elektrische Verkabelung- von Metalldieben ausgebaut. Strom ist in diesem Gebäude nicht mehr vorhanden. Was sofort auffällt : jede, aber wirklich jede Ecke des Gebäudes ist mit Graffitis bemalt. Überall zieht es. Es ist sehr kalt. Ab der ersten Etage sehen wir dass auch die vorderen Wände zum Teil fehlen. 

Die ehemaligen Büroräume der NSA Mitarbeiter. Links: Treppenhaus und Aufzugsschacht
Balkone und Räume der "Luxus-Musterwohnung"

In den oberen beiden Etage sind Zwischenwände stehengeblieben, die nun als Graffiti-Wände dienen. Diese Wände standen ursprünglich nicht und wurden vom Investor des Luxus-Resorts gezogen um die Wohneinheiten abzugrenzen.


In der obersten Etage betreten wir nun die Muster-Luxus-Loft-Wohnung, die vom damaligen Investor als Beispiel für interessierte Käufer eingerichtet wurde. Inzwischen ist allerdings vom Luxus nicht mehr wirklich etwas zu sehen. Auch hier haben Vandalismus und Sprühdosen Einzug gehalten. Zumindest erahnt man noch die geplante Aufteilung.


Im Inneren der Musterwohnung (obere Ebene)


Vom Treppenhaus der obersten Etage gelangen wir nun auf eine Art Dachterrasse. Hier waren zwei der drei größten Radiodome untergebracht. Was geblieben ist sind Reste der Hülle. Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, sich an diesem ehemals so streng bewachten Ort zu befinden, der nun dem Verfall Preis gegeben ist. Wir laufen durch die Radiodome, machen einige Fotos und laufen dann über das Treppenhaus zwei weitere Etagen nach oben, die lediglich in das größte, mittlere Radiodome führen.

Zerstörte Außenhaut der Radiodome
Sockel mit Treppenhaus und Aufzug des größten Domes


Das Material der Hülle dieses Domes besteht aus Glasfaser und hat als einziges die vielen Jahre vollständig überlebt. Die Technik wurde natürlich längst abgebaut. So bleibt lediglich der riesige, zementierte Sockel, auf dem das Radar früher montiert war.


Sensationell ist die Akkustik in diesem überdimensionalen Golfball. Jedes geflüsterte Wort wird tausendfach verstärkt und ist an jeder Stelle im Dome deutlich zu verstehen. 
Wir bleiben noch einige Minuten und klettern dann langsam wieder herunter. Unsere iPhone- Taschenlampen weisen uns den Weg durch das ansonsten stockfinstere Treppenhaus. 

Unten angekommen sind wir glücklich über die vielen, hoffentlich tollen Fotos die wir an diesem ungewöhnlichen Ort schießen konnten. Wer weiß: Vielleicht schauen wir in ein paar Jahren noch einmal vorbei, wenn alles schön renoviert wurde und das Spionagemuseum eröffnet wurde. Bis dahin ist allerdings noch einiges zu tun. :)

Sehr spannend ist übrigens in diesem Zusammenhang die Bildübersicht von Thomas Kemnitz, der die NSA Field Station 2003 besucht hat. Hier sieht man die   Gebäude in einem Zustand vor dem Vandalismus.


10.03.2015

Liebster-Award

Tim Spohn war so nett mich für den “Liebster-Award” zu nominieren – 
Vielen Dank, Tim!

 
Was ist der “Liebster-Award?”


Die Spielregeln
  • Bedanke dich bei dem Autor/Blogger, der dich nominiert hat, und verlinke seine Website/seinen Blog.
  • Verwende das Awardbild.
  • Beantworte die 11 Fragen, die man dir gestellt hat.
  • Formuliere im Anschluss daran 11 neue Fragen.
  • Nominiere bis zu 11 weitere Autoren/Blogs und bitte darum, deine Fragen zu beantworten.
  • Informiere die Nominierten natürlich über ihr Glück.

Welches Buch/welcher Autor hat deine Kindheit am meisten geprägt?
Definitiv das Buch "Club der toten Dichter" von Nancy H. Kleinbaum, das sie auf Grundlage des Drehbuchs von Tom Schulmann schrieb. Das Buch, aber auch der Film haben mich in einer Lebensphase erwischt, in der ich -rückblickend- sehr beeinflussbar war. Der Mut mir immer wieder neue Dinge zuzutrauen, meine eigenen Möglichkeiten auszuloten und auf diesem Weg Selbstvertrauen zu gewinnen, haben mir immer wieder geholfen neue oder komplizierte  Situationen zu meistern. Außerdem wuchs in mir die Erkenntnis, das es sich fast immer lohnt den Blickwinkel zu verändern. 

Welches Buch/welcher Autor hat dich, seitdem du erwachsen geworden bist, am meisten beeinflusst?
Wie bereits beschrieben, ist dies vermutlich das eben genannte Werk.

Gibt es eine Figur (in einem eigenen oder fremden Buch) die dich besonders berührt hat?
Michael Berg. Der "Vorleser" im gleichnamigen Roman von Bernhard Schlink.

Was ist dein Lieblingswort und welches kannst du überhaupt nicht ab?
Lieblingswort: Toleranz      
Unwort: Heterolike 


Gibt es kleine Rituale oder Angewohnheiten, die du zum Schreiben oder Lesen brauchst?
Inzwischen nehme ich mir nur noch wenig Zeit zum Lesen von Belletristik. Meistens bleibe ich bei Fachliteratur hängen. Allerdings bei Spaß-Fachliteratur rund um mein Hobby Fotografie und Bildbearbeitung. Ich lese sowohl auf Papier als auch auf dem iPad. Einen eReader besitze ich nicht.

Wenn du für 1 Jahr nur ein einziges Buch lesen dürftest, welches wäre es?
Vermutlich würde ich mir "Der Herr der Ringe" nochmal reinziehen. Ich fürchte, dafür bräuchte ich auch ein Jahr. ;)

Hast du ein Lieblingsgedicht und wenn ja: welches und wieso?
Nein. Das ist unromantisch, oder?

Wenn du ein Ereignis selbst hättest miterleben können: welches und wieso?
Den Mauerfall würde ich gerne  noch einmal aus nächster Nähe erleben und erfahren. 

Wenn du morgen im Körper/Leben einer anderen Person aufwachen könntest: Wer und Wieso?
Nööö, das passt alles, so wie es ist. :)

Welche schlechte Angewohnheit möchtest du loswerden?
So ein paar schlechte Angewohnheiten machen einen Menschen doch erst liebenswert. 

Wenn es nur noch eine Jahreszeit gäbe, das ganze Jahr hindurch: Welche würdest du wählen?
Definitiv den Sommer!

Meine Fragen an die Nominierten:
  • Welches Motiv hast du, einen Blog zu schreiben? Wie motivierst Du Dich?
  • Welche positive oder negative Rückmeldung eines Lesers Deines Blogs hat dich am meisten gefreut/geärgert?
  • Bewirbst Du Deinen Blog crossmedial in sozialen Netzwerken? Was funktioniert Deiner Ansicht nach besonders gut?
  • Gab es schon Themen, zu denen Du gerne gebloggt hättest, Dich aber im Nachhinein nicht getraut hast? Was stand Dir im Weg?
  • Schaust Du linear oder nicht-linear Fernsehen?
  • Gibt es Moderatoren/Sendungen, auf die Du erst durch Twitter/Facebook und Co. aufmerksam geworden bist? Welche sind das?
  • Was war Deine letzte neue Musikentdeckung, die Du mit einem Konzertbesuch beglückt hast? Wann war das? Und warum ist das so lange her? :)
  • Reizt es Dich Podcaster zu werden? Falls Du bereits einer bist: Was treibt Dich an?
  • Wenn Du fotografierst: Was sind Deine Lieblingsmotive und wo veröffentlichst Du Deine Fotos?
  • Hast Du im Bereich Fotografie, Blog, Podcast, etc schonmal an einem Wettbewerb teilgenommen? Hast Du gewonnen? 
  • Wie lange hast Du benötigt um zu entscheiden, ob Du das hier mitmachst? ;) 
Ich nominiere:

04.03.2015

Die Kaffee-Schleife

Irgendwann in den 80igern

Ich sehe meine Mutter am zweiten Weihnachtstag nachmittags in der Küche stehen. Die Verwandten sind gerade eingetroffen. Und während sich Onkel und Tanten, Cousinen und Kinder schon im Wohnzimmmer an den Esstisch setzen, brüht meine Mutter in der Küche frischen Kaffee auf und schneidet die Kuchen an.

Zur Feier des Tages hat sie die teure Porzellan-Kanne mit dem Goldrand aus dem Schrank geholt. Den Kaffee darf ich mahlen. Wir haben eine weiße, elektrische KRUPS-Kaffeemühle. Die ganze Küche duftet wunderbar nach frisch gemahlenem Kaffee. Die Porzellan-Kanne krönt inzwischen ein weißer Melitta-Porzellan-Filter, in den sie jetzt den Papierfilter gibt. Die geprägten Kanten hat sie vorher zur Seite gefaltet. Jetzt gibt sie exakt fünf gestrichene Maß-Löffel mit Kaffeepulver in den Filter und gießt nun sprudelnd heißes Wasser darüber. Das Pulver schäumt ein wenig auf. Der fertige Kaffee tröpfelt deutlich hörbar in die Kanne. Mit jedem weiteren Tropfen ahnt man, wie sich die Kanne langsam füllt. Erst nachdem der erste Schwall durch ist, gießt sie wieder nach.

Minuten später sitzen wir am gedeckten Tisch: Apfelkuchen, Schwarzwälder-Kirsch, Riemchen-Aprikose. Die Auswahl ist riesig. Dann wird der Kaffee verteilt. Und alle freuen sich und sind begeistert, wie toll der Kaffee schmeckt. Fast wie in der Werbung. :)



Viele Jahre später

Es muss zu Beginn der 2000er Jahre gewesen sein, als ich meine erste Senseo-Maschine kaufte. Mit etwas Abstand betrachtet: Der Vollautomat des kleinen Mannes. :) Wie eine Senseo-Maschine funktioniert weiss inzwischen jeder. Daher erspare ich mir hier genauere Beschreibungen. Der Geschmack von Pad-Kaffee war damals jedenfalls neu und anders. Mit frisch aufgebrühtem Filterkaffee hatte das Ergebnis in der Tasse jedenfalls keine Ähnlichkeit. Größte Neuerung war die Crema. Bis zu diesem Zeitpunkt kannte ich so einen Kaffee nur aus professionellen Maschinen in Cafés oder Restaurants. Anfangs war meine Begeisterung groß. Den Nachschub an Kaffeepads holte ich meistens in Holland. Dort gab es die berühmten Kaffee-Säcke mit 100 einzeln verpackten Pads.

Wenn ich ehrlich bin: Geschmeckt hat mir der Kaffee aus der Senseo nie. Ich trinke schwarz. Immer. Daher habe ich nicht das Glück, mir den Kaffee mit Milch oder Zucker schön zu mischen. Kaffee aus Pads habe ich immer als bitter und stumpf empfunden. Die fruchtigen Noten, die auf der Verpackung angepriesen wurden, wollten sich in meinem Mund nicht entfalten. Irgendwann landete die Senseo im Keller und wurde durch eine Nespresso-Maschine ersetzt.

Das Gerät war von Krups und sollte meine erste Kapsel-Maschine werden. Der Nachhaltigkeits-Gedanke war bei mir zugegebenermaßen noch nicht wirklich stark ausgeprägt. Aber irgendwie war es schon ein merkwürdiges Gefühl zu sehen, wieviel Müll man produziert um einen Kaffee zu trinken. Aber: Der Kaffee schmeckte wirklich sehr gut. Kein Vergleich zum Senseo-Kaffee. Nach einiger Zeit konzentrierte ich mich auf zwei Stärken für normalen Kaffee, eine aromatisierte Kapsel (Vanille) und eine starke Espresso-Sorte. Bis heute ist die Nespresso-Maschine bei uns im Einsatz. Inzwischen hat mein Freund sie übernommen.

Vor zwei Jahren habe ich mir eine weitere Kapsel-Maschine zugelegt. Nach vielen Tests fand ich, dass die Cafissimo-Kapseln von Tchibo der Nespresso recht nahe kommen. Die Kapseln sind deutlich günstiger, produzieren aber leider  ähnlich viel Müll wie das Nespresso-System. Und so ist die Zubereitung jeder Tasse irgendwie mit einem schlechten Gewissen verbunden.

Zu dieser Zeit entdeckte ich auf einem Trödelmarkt eine weiße, fast ungebrauchte Porzellan-Kaffeekanne, samt Wärmehaube. Daneben stand ein weißer Melitta-Porzellan-Filter und ein kleines Melitta-Kännchen (so wie man es aus Cafés kennt). Ihr könnt Euch denken, was ich gemacht habe? Genau! ;)

Meine ersten Versuche waren etwas holprig. Welchen Mahlgrad sollte der Kaffee haben? Sollte ich die Bohnen selber mahlen, oder gleich Pulver kaufen? Welche Kaffeesorte war die Richtige?

Der fertig gemahlene, in goldene Vakkumverpackungen gequetschte Industriekaffee schmeckte wirklich grauenhaft. Dies konnte ich nun wirklich herstellerübergreifend feststellen. Auch verschiedene kleine Hausröstereien habe ich getestet. Nichts hat mich wirklich überzeugt.

Schließlich bin ich überraschenderweise bei einem Tchibo-Kaffee angekommen.
Es gibt hier fünf Sorten, die unter dem Label "Privat-Kaffee" vermarktet werden. Der Kaffee stammt aus nachhaltigem Anbau. Zudem gibt es einen reinen Bio-Kaffee. Ich kaufe meistens die ganzen Bohnen "Guatemale Grande" oder "Latin Bio" und mahle sie dann erst kurz vor dem Aufbrühen mit meiner elektrischen Kaffee-Mühle. Inzwischen habe ich Mahlgrad, Pulvermenge und Wassertemperatur soweit aufeinander abgestimmt, dass ich behaupten: 
Ich kann richtig leckeren Kaffee kochen. ;)

Morgens reicht mir dann in der Regel das "Kännchen". Wenn es wirklich schnell gehen muss, greife ich zu einer der beiden Kapsel-Maschinen. 

Und so bin ich mit meiner Schleife wieder in den 80igern gelandet. 

Einen Nachteil hat die Sache übrigens: Die Frage "Möchtest Du einen Kaffee?" beantworte ich bei Freunden manchmal auch mit "Ein Wasser reicht. Danke." ;)







02.03.2015

Eigentlich bin ich Rheinländer

Soll ich mit der "grünen Oase" beginnen und erzählen, dass zwei Drittel des Ruhrgebietes aus Wäldern, Wiesen und Feldern bestehen? Oder lieber mit der Geschichte, dass man in in einem ehemaligen Klärwerk (Bernepark) in Kanalrohren übernachten kann?

Seit drei Jahren lebe und arbeite ich nun mitten im Ruhrgebiet. Und fast immer wenn ich nach meinem Wohnort gefragt werde und mit "Oberhausen" antworte, schaue ich in fragende Gesichter. Ausgerechnet Oberhausen? Zumindest hat noch niemand mit "Oh, cool. Geile Stadt. Da würde ich auch gerne leben" geantwortet. :) Warum eigentlich nicht?

Mein Freund ist im Ruhrgebiet aufgewachsen. Nachdem sich auch mein Beruf vor einigen Jahren ins Ruhrgebiet verlagerte, wurde ein Umzug immer unausweichlicher. So verbrachte ich anfangs zunächst die Wochenenden im Ruhrgebiet und fuhr Freitags Abends nach Oberhausen und am Sonntag Abend wieder nach Neuss zurück, wo ich damals noch wohnte. 

Auf dem Weg über die A42 kam ich abends oft am großen Thyssen-Werk in Duisburg-Beekerwerth vorbei. Manchmal war es dort auch spät abends taghell und der Himmel leuchtete rot-orange, wenn im Stahlwerk Schlacke abgelassen wurde. Vorbei kam ich auch am Landschaftspark in Duisburg. Die bunt beleuchten Schornsteine und das etwas aus der Welt gefallene Windrad zeigten mir, dass es nicht mehr weit sein konnte. Wenn ich am Gasometer vorbei fuhr, trällerten manchmal auch passend dazu die Missfits mit ihrer Hymne an Oberhausen aus den Lautsprechern: "Stehste auf'm Gasometer im Sturmesbrausen - und alles watte siehst iss - Oberhausen-.

In den ersten Monaten entdeckte ich mit der RUHR.TOPCARD und meiner Kamera viele tolle Orte im Ruhrgebiet. Einige meiner schönsten Aufnahmen entstanden zu dieser Zeit. Überhaupt gibt es im Ruhrgebiet unendlich viele Ausflugsziele, die sich als perfekte Tagesausflüge für Familien, Sportler, Fotobegeisterte eignen.

Slinky-Brücke am Schloß Oberhausen
Irgendwann habe ich auch verstanden, was Halden sind und dass auf fast jeder dieser Halden Skulpturen und Kunstwerke zu finden sind. Von übergroßen, begehbaren Grubenlampem (Das Geleucht/Moers) über das skelettartige "Hallenhaus" der niederländischen Künstlergruppe "Observatorium" auf der Halde Norddeutschland, bis hin zu zwei riesigen, sehr eindrucksvollen Scheinwerfern auf der Halde Rungenberg in Gelsenkirchen, die als Lichtzeichen nachts mit ihren weit sichtbaren Strahlen eine Pyramide bilden. Sowas hatte ich bis dahin noch nicht gesehen.

Jenseits der Zeche Zollverein in Essen, einem der bekanntesten Denkmäler industrieller Prägung sind es vor allem die vielen kleineren Bergbau-Standorte, Turbinenhallen, Kraftwerke die mich immer wieder fesseln und zum Verweilen eingeladen haben. Gerade beim Geocaching habe ich so manchen Lost Place entdeckt, der noch auf die Wiedererweckung wartet. Wirklich großartig!

Tunnelstraße, Duisburg
Das Naturell von Rheinländern und Ruhrgebietlern passt ganz gut zusammen. Während man dem Rheinländer nachsagt, dass er fröhlich und kontaktfreudig ist, eilt dem Ruhrgebietler das Image der sehr direkten, klaren, manchmal etwas rauhen, aber immer herzlichen Art voraus. Alles stimmt wohl ein wenig. Allen bösen Gerüchten zum Trotz ist das Bildungsbürgertum seit mindestens zwei Generationen natürlich auch in den ehemals proletarischen Arbeitervierteln eingezogen. Eine gewisse kritische Distanz zur "Bourgeosie" spürt man aber gelegentlich schon. Doch das muss ja nicht verkehrt sein. :) Den kulturelle Mischmasch, der nicht zuletzt mit den vielen Gastarbeitern ins Ruhrgebiet einzog, empfinde ich immer wieder als absolute Bereicherung. Klar gibt es Problemviertel. Natürlich gliedert sich nicht jeder ein. Zum überwiegenden Teil ist das Zusammenleben von hohem gegenseitigem Respekt und Toleranz geprägt. Im Rheinland würde man sagen: "Leben und leben lassen." Der Umgang miteinander ist sehr unkompliziert.

Halde Rungenberg, Gelsenkirchen

Oft ist in Zusammenhang mit dem Ruhrgebiet von einer Metropol-Region zu lesen. Gemeint sind damit vermutlich nicht nur die Einwohnerzahlen der großen Städte: Duisburg, Essen, Dortmund, Gelsenkirchen, Bochum, Oberhausen usw., sondern auch das gemeinsame Angehen des Strukturwandels und dem dadurch erforderlich gewordenen Zusammenhalt. Egal wo in Deutschland man einen Ruhrgebietler trifft: Man spürt ein "Wir-Gefühl". Und so ein bisschen fühle ich mich inzwischen auch schon angesprochen. :) Jüngster Höhepunkt der symbolischen Verbundenheit aller Städte war wohl im Kulturhauptstadtjahr  "Ruhr2010" die Sperrung der gesamten A40 von Duisburg bis Dortmund für den Autoverkehr. An diesem Tag konnten Fußgänger und Radfahrer diese wichtige Hauptverkehrsader, die alle großen Städte miteinander verbindet, für sich entdecken. Mitten auf der Autobahn wurde gegessen, gespielt, gelacht. Was für eine tolle Idee. 

Spaziergang auf der A40
Seitdem schmücken übrigens drei aufeinanderfolgende Brücken auf der A40 die Schriftzüge: "Rahn müsste schießen..." "Rahn schiesst..." "Tor.Tor.Tor!" in Anlehnung an das berühmte Spiel im Berner Wankdorf-Stadion zur Fußball-WM 1954. Eine Hommage an das fussballbegeisterte Ruhrgebiet. Für mich als Gladbach-Fan war es sehr ungewöhnlich statt schwarz-grüner Flaggen fast nur noch blau-weisse und gelb-schwarze Beflaggung vorzufinden. Der Ruhrgebietler hat aber im Prinzip nix gegen Gladbach. Die Feindbilder sind ja auch klar definiert. Jedenfalls ärgere ich mich seitdem nicht mehr über den 1.FC Köln. ;)

Bergbaumuseum, Bochum
Für alle, die das Ruhrgebiet in nächster Zeit ebenfalls noch für sich entdecken möchten, habe ich hier einige lohnenswerte Ziele zusammengestellt. 

Meine Ruhregbietsfotos habe ich hier verlinkt: http://portfolio.fotocommunity.de/abaissement/folder/840034
Landschaftspark Duisburg Nord, Emscher-Straße 71, 47137 Duisburg
www.landschaftspark.de

Schiffshebeanlage Henrichenburg, Am Hebewerk 2, 45731 Waltrop
www.hebewerk-henrichenburg.de

Halde Norddeutschland, Geldernsche Straße, 47506 Neukirchen-Vlyn
www.halden.ruhr/halde-norddeutschland.html

Das Geleucht, Halde Rheinpreussen, Gutenbergstrasse, 47443 Moers
www.das-geleucht.de

Slinky-Brücke am Schloß, Konrad-Adenauer-Allee 46, 46049 Oberhausen
www.emscherkunst.de/kunst/kunstwerke/tobias-rehbergerslinky-springs-to-fame.html

Gasometer Oberhausen, Arenastraße 11, 46047 Oberhausen
www.gasometer.de

Zeche Zollverein, Bullmannaue 11, 45327 Essen
www.zollverein.de

Bergbaumuseum Bochum, Am Bergbaumuseum 28, 44791 Bochum
www.bergbaumuseum.de

Baldeneysee, Freiherr-vom-Stein-Straße 206a, 45133 Essen
www.baldeneysee.de

Villa Hügel, Hügel 15, 45133 Essen
www.villahuegel.de

Kemnader Stausee, Blumenau 7, 44801 Bochum
www.kemnadersee.de

Westfalenpark Dortmund, An der Buschmühle, 3, 44139 Dortmund
http://www.dortmund.de/de/freizeit_und_kultur/westfalenpark_dortmund/start_westfalenpark/

Bernepark, Egelstraße 25a, 46242 Bottrop
www.bernepark.de